Früher dachte ich, Yoga wäre ein Allheilmittel.
Früher dachte ich wirklich, Yoga wäre die Antwort auf alles und ich müsste einfach nur noch mehr praktizieren.
Mehr Asanas. Mehr Pranayama. Mehr Meditation
Länger in der Taube bleiben.
Hauptsache, die Hüften gehen auf.
Kopfstand muss man als Yogi doch können.
Und natürlich morgens vor Sonnenaufgang meditieren. Mindestens 20 Minuten. Besser eine Stunde.
„Practice and all is coming.“
Heute weiß ich: Das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Denn vieles davon war für mich irgendwann einfach nur noch Druck.
Noch mehr Disziplin. Noch mehr Kontrolle. Noch mehr das Gefühl, nicht genug zu sein, wenn ich diesem System nicht folgen konnte.
Und vielleicht ist das auch kein Wunder.
Viele dieser Systeme wurden von Männern entwickelt. Für Lebensrealitäten, die mit meinem Alltag als Frau irgendwann wenig zu tun hatten. Frauen durften jahrhundertelang oft nicht einmal praktizieren. Natürlich hat konstante Wiederholung ihren Platz. Natürlich verändert Übung etwas. Aber eine Praxis, die mich in einem ohnehin stressigen Alltag zusätzlich stresst, konnte für mich irgendwann nicht mehr funktionieren.
Und weißt du was?
Ich habe mich dadurch nicht nur emotional verletzt oder meinen Selbstwert an bestimmte Leistungen geknüpft. Ich habe mich teilweise auch körperlich verletzt.
Trotzdem würde ich Yoga niemals kleinreden.
Denn Yoga hat mir nicht nur Zugang zu meinem Körper gegeben, sondern zu vielen anderen Ebenen meines Lebens.
Zu Atem.
Zu Stille.
Zu Wahrnehmung.
Zu Spiritualität.
Zu meinem Nervensystem.
Zu dem Gefühl, mich überhaupt wieder spüren zu können.
Und selbst dort gibt es nicht nur einen Weg.
Auch Meditation ist nicht einfach nur „Augen zu und entspannen“. Manche Meditationen öffnen wunderschöne Türen. Andere stoßen Dinge an, die uns erst einmal überwältigen können.
Yoga hat mich irgendwann auch in spirituelle Räume geführt, in denen ich fast ein bisschen verloren gegangen wäre. Vorsicht vor magischen Gedanken, sage ich heute manchmal mit einem kleinen Lächeln. Und trotzdem hat mir genau diese Zeit auch etwas sehr Wertvolles geschenkt: ein tiefes Gefühl von Vertrauen.
Oder vielleicht eher: eine Erinnerung daran.
Und ja — ich konnte mit Anfang 30 plötzlich Dinge mit meinem Körper tun, von denen ich als Jugendliche nur geträumt hätte. Nicht, weil ich perfekt war. Sondern weil Yoga mir überhaupt erst einen Zugang zu meinem Körper gegeben hat.
Heute glaube ich nicht mehr, dass Yoga ein Allheilmittel ist.
Aber ich glaube, dass es ein unglaublich vielfältiger Weg sein kann, sich selbst wieder näherzukommen.
Manchmal kraftvoll.
Manchmal ruhig.
Manchmal emotional.
Manchmal einfach nur 10 Minuten lang.
Und vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, irgendeinem perfekten System zu folgen.
Sondern darum, mit der Zeit ehrlicher zu merken:
Was brauche ich eigentlich wirklich?
Genau deshalb ist mein Online Studio heute so aufgebaut, wie es ist:
Nicht als perfektes System.
Sondern als Ort für unterschiedliche Zustände, Phasen und Bedürfnisse.